Pro Jahr wechseln bundesweit ca. 850.000 Schülerinnen und Schüler von der Grundschule zu einer weiterführenden Schule. Davon allein knapp ein Viertel in NRW. Dieses Ereignis wird zu den kritische Lebensereignissen (Filipp, 1995) gezählt und dieses gilt es, für die Grundschüler zu bewältigen.
Der Übergang von der Grund- zur weiterführenden Schule bedingt individuelle Anpassungsprozesse als Reaktion auf veränderte schulische Bedingungen. Veränderungen von Emotion, Motivation und Lernleistung sind bei vielen Schülerinnen und Schülern in diesem Zusammenhang zu beobachten. Die Identifikation typischer Veränderungsmuster ist ein erstes Ziel des Vorhabens. Es schließt sich die Frage an, inwieweit diese Entwicklungen der Schüler und Schülerinnen in Beziehung zu person- und kontextspezifischen Bedingungen stehen. Als personspezifische Variable betrachten wir insbesondere die Erwartungen an die weiterführende Schule, sowie die tatsächlichen Erfahrungen im neuen schulischen Umfeld. Die Kontextvariablen beziehen sich einerseits auf den familiären Hintergrund (z.B. elterliches Engagement in der Schule, fachliche und soziale Unterstützung) und andererseits auf schulische Bedingungen (z.B. Anforderungsniveau, Unterrichtsgestaltung, Klassenklima).
Eine Besonderheit des deutschen Schulsystems stellt die frühe, (vornehmlich) leistungsbasierte Aufteilung der Schülerinnen und Schüler auf die verschiedenen Schulformen der Sekundarstufe I dar. Damit verbunden sind Leistungseinschätzungen und –erwartungen sowie Übergangsempfehlungen durch Lehrkräfte bzw. –entscheidungen durch Eltern, die mitunter nicht miteinander kompatibel sind. Wir untersuchen, wie sich das Erleben dieser Selektion auf die individuellen Entwicklungen in der weiterführenden Schule auswirkt.
Dazu führen wir eine Längsschnitt-Untersuchung (siehe Abbildung 1) mit drei Messzeitpunkten (Ende 4.2, Anfang 5.1 und Ende 5.2) durch, die die Darstellung individueller Entwicklungen über den Schulwechsel hinweg erlaubt.
Abbildung 1: Zeitlicher Projektplan im Überblick
Neben den Schülerinnen und Schülern werden auch Eltern sowie Lehrkräfte
der Grund- und weiterführenden Schulen befragt, um Informationen aus
unterschiedlichen Perspektiven zu erhalten. Die insgesamt daraus
resultierenden Daten liefern eine theoretisch und empirisch gestützte
Grundlage zur Beurteilung des Grundschulübergangs und zur Entwicklung
von Maßnahmen zur pädagogischen Gestaltung des Schulübergangs.
Abbildung 2: Skizze der Untersuchungsfragestellungen